aktualisiert am 11. Dezember 2016

Weiterbildung

Zweistufige Weiterbildung (Grund- und Aufbaukurs)

„Theorien und Methoden der Systemischen Sozialarbeit“

Grundkurs (1. Teil): 1 Jahr

Aufbaukurs (2. Teil): 1 Jahr

an der Hochschule Merseburg, Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur

Leitung: Prof. Dr. Johannes Herwig-Lempp

 

Systemische Konzepte und Theorien spielen in der Sozialarbeit zunehmend eine große Rolle. Wurden diese bislang vor allem in Weiterbildungen für Familientherapie und Beratung angeboten und mussten von SozialarbeiterInnen selbständig auf ihr Berufstätigkeit übertragen werden, ist diese Weiterbildung direkt auf das Arbeitsfeld der Sozialarbeit bezogen. Die Handlungskonzepte von Auftrags-, Ressourcen- und Lösungsorientierung sowie die systemischen Theorien werden berufsbezogen vermittelt und können von den TeilnehmerInnen der Weiterbildung unmittelbar und reflektiert in ihrem Arbeitsalltag umgesetzt werden. Die Vielfalt der Handlungsarten der Sozialarbeit (beraten, begleiten, eingreifen, vermitteln, vertreten, beschaffen, begleiten, verwalten, lernen, werben) werden ebenso berücksichtigt wie die Vielfalt ihres „Gegenstands“ (Arbeitsfelder, Anforderungsbereiche).

Durch die Weiterbildung erwerben die TeilnehmerInnen das aktuelle Wissen des systemischen Ansatzes in der Sozialarbeit und die Fähigkeit, diesen Ansatz theoretisch und praktisch auf bekannte und neue Probleme in den verschiedenen Arbeitsfeldern und den unterschiedlichen Arbeitsebenen der Sozialarbeit anzuwenden – im Umgang mit KlientInnen ebenso wie im Umgang mit KollegInnen, MitarbeiterInnen, bei der Leitung einer Einrichtung oder Abteilung wie auch bei der Weitervermittlung von Wissen an andere (Teamteaching, Fortbildung, Publikation).

Das Merseburger Angebot unterscheidet sich von bestehenden vergleichbaren Weiterbildungen durch die Ausweitung der Ausrichtung über Beratung und Therapie hinaus auf die Vielfalt der Handlungsarten bis hin zu Leitung und Weitervermittlung ebenso wie durch das Studium Generale, das u.a. auch einen Kurs Fachsprache Englisch sowie eine fachbezogene Auslandsreise einschließt. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist schließlich, dass die Lehre von einer Vielzahl von DozentInnen geleistet wird (sowohl anerkannten WissenschaftlerInnen als auch erfahrenen PraktikerInnen) und dadurch unterschiedlichste Orientierungsmöglichkeiten bietet.

Die TeilnehmerInnen erwerben Wissen, Kompetenzen und Fähigkeiten in Bezug auf

  • die theoretischen und praktischen Konzepte von Systemischer Sozialarbeit
  • die Umsetzung der Methoden in unterschiedlichen Arbeitsfeldern
  • die Reflexion der eigenen Person, Geschichte und den professionellen Rollen
  • die Reflexion realer Situationen im Berufsalltag (als Person und im Team)
  • die Leitung eines Teams und die Führung eines sozialwirtschaftlichen Betriebs
  • die Anwendung von Qualitätsmanagement-Instrumenten
  • die Weitermittlung fachlicher Grundlagen und Konzepte an KollegInnen, Teams, auf Tagungen

die Darstellung der eigenen Tätigkeit sowohl in Fachkreisen (Vortrag, Fortbildung, Publikation) als auch in der Öffentlichkeit.

Grund- und Aufbaukurs dauern jeweils 10 bzw. 9 Monate, sie finden in jeweils 8 Blöcken von 3 bis 5 Tagen (Grundkurs 33 Tage, Aufbaukurs 35 Tage) sowie an je 5 zusätzlichen Supervisionsterminen zu je 4 Std. (2 x 2,5 Tage) statt.

Insgesamt umfassen die beiden Weiterbildungskurse 73 Tage/ 580 Präsenzstunden (1. Teil 35,5 Tage/ 2. Teil 37,5 Tage). Ergänzt werden sie durch selbständiges Lernen (Lektüre, Anfertigung von Berichten und Arbeiten) und eigenständige Projekte, in denen die Studierenden das Gelernte unmittelbar in ihrem Arbeitsalltag umsetzen.

  1. Systemische Methoden und Praxis
  2. Systemische Theorien und Haltungen
  3. Leitungskonzepte und Sozialwirtschaft
  4. Qualitätsmanagement und Forschung
  5. Weitervermittlung und Publikation
  6. Studium Generale und Internationale Ausrichtung

1. Systemische Methoden und Praxis: Ressourcen- und Lösungsorientierung, Systemische Gesprächsführung, Praxistraining, Projekte, Supervision

Systemische Methoden und ihre Umsetzung – von den vielfältigen Formen systemischen Fragens über die Verwendung darstellender Methoden wie VIP-Karte, Genogramm, den verschiedenen Formen von Skulpturarbeit bis zur Gesprächsgestaltung, Auftragsklärung, der Verwendung von Geschichten und Metaphern, dem Arbeiten in Zwangssituationen etc.

Das im Studium Gelernte wird in der Praxis angewandt und umgesetzt: Die Studierenden führen ein Projekt durch, bei dem sie theoretische und methodische Kenntnisse an ihrem Arbeitsplatz anwenden. Dieses Projekt wird in der kollegialen Studiengruppe, in den Supervisionen und Seminaren reflektiert und durch einen Bericht dokumentiert. Alternativ kann ein kleines, begrenztes Auftragsprojekt für eine Einrichtung durchgeführt werden.

Theorien und Methoden der Kollegialen Beratung und der Supervision sowie Dokumentationsformen (Briefe an KlientInnen, Berichte, Vorlagen zum Hilfeplan, Veröffentlichungen, Präsentationen) werden vorgestellt und praktisch erprobt. Die Supervisionen finden in Kleingruppen (6 bis 8 TeilnehmerInnen, i.d.R. identisch mit der Kollegialen Studiengruppen) bei externen SupervisorInnen (die im Kontakt zur Studiengangsleitung stehen) statt. Inhalte sind Erfahrungen im Studiengang, eigene Lernprozesse, die Projekte und Vorhaben im Studiengang.

  • Die Studierenden wissen um die theoretischen Hintergründe systemischer Methoden und Techniken, sie können die Anwendung dieser in Abhängigkeit angestrebter Ziele begründen.
  • Sie können systemische Methoden bzgl. unterschiedlicher Zielgruppen, Arbeitskontexte und ihrer eigenen Funktion und Rolle anwenden und reflektieren.
  • Sie sind in der Lage, AdressatInnen und KooperationspartnerInnen ihre Vorgehen zu erklären.
  • Die Studierenden wissen um verschiedene Modelle kollegialer Beratung und können diese in der alltäglichen Praxis KollegInnen vorstellen und mit ihnen durchführen.
  • Sie verfügen über die Fähigkeit, kollegiale Beratungen zu planen, leitend durchzuführen und zu evaluieren.
  • Sie führen Fallreflexionen gemäß den Kriterien unterschiedlicher Konzepte durch und verwenden im Berufsalltag überprüfbare und effiziente Dokumentationsinstrumentarien. Sie können diese anderen erklären und ihre Verwendung anleiten.

Seitenanfang

2. Systemische Theorien und Haltungen: Konstruktivismus und Systemtheorien, Philosophie, Ethik, Professionelles Selbst-Bewusstsein, Berufliche Identität

Verschiedene Systemtheorien und unterschiedliche Spielarten des Konstruktivismus werden anhand der Schriften ihrer Vertreter vorgestellt und erarbeitet. Insbesondere aus den Systemtheorien und dem Konstruktivismus abgeleitete Konzepte der Sozialarbeit werden bzgl. ihrer Praxisrelevanz diskutiert. Eingeschlossen sind kritische Positionen zu Systemtheorien, Konzepten des Konstruktivismus und zu systemischen Modellen für Soziale Arbeit.

Der Auftrag der Philosophie, sich den Fragen und Problemen der Gegenwart zu stellen, wird im philosophischen Diskurs mit Bezug zur Sozialen Arbeit nachgegangen. Menschenbilder und Wertorientierungen im professionellen Selbstverständnis der Sozialen Arbeit werden reflektiert und auf ihre Hintergrundfolien und ihre Handlungsoptionen hin befragt. Theorien der Gerechtigkeit werden in vergleichenden Studien überprüft und Ansätze zur Gerechtigkeit im systemischen Verständnis entworfen.

Konzepte der beruflichen Identität als SozialarbeiterIn und SystemikerIn werden unter Berücksichtigung ethischer Leitideen und berufspolitischer Positionen beschrieben – Soziale Arbeit auch im Vergleich zu anderen Berufen.

  • Die Studierenden wissen um die Grundannahmen systemtheoretischer Denkmodelle und des Konstruktivismus und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit.
  • Sie kennen verschiedene systemische Konzepte für Soziale Arbeit und können diese unterscheiden.
  • Sie können in Abhängigkeit von unterschiedlichen Kundengruppen und KooperationspartnerInnen Konzepte der Systemtheorie und die daraus abgeleiteten Methoden anwenden.
  • Die Studierenden kennen weitere Konzepte der Sozialen Arbeit und wissen sie in Zusammenhang mit dem systemischen Ansatz zu stellen.
  • Die Studierenden wenden das Diskursverfahren zur Arbeit an Gegenwartsfragen und Problemlagen an.
  • Sie erarbeiten sich ein Selbstverständnis des Menschen und ein Wertesystem zur Grundlage ihrer professionellen Sozialarbeit.
  • Sie erarbeiten sich eine fundierte Position zum Wert der Gerechtigkeit im menschlichen Zusammenleben und entwerfen Handlungsoptionen dazu.
  • Sie sind fähig, ihre professionellen Fähigkeiten und Kompetenzen selbstbewusst vor KlientInnen, Kooperationspartnern und der Öffentlichkeit darzustellen.

Seitenanfang

3. Leitungskonzepte und Sozialwirtschaft: Leitungskonzepte, Personal- und Teamentwicklung, Projektmanagement, Betriebswirtschaftliches Denken

Es werden systemische und andere Leitungskonzepte für Teams, kleinere Einheiten und Entwicklungskonzepte für Organisationen vorgestellt. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Konzepten der Personalentwicklung, der Anleitung einer sich selbst steuernden Teamentwicklung sowie auf der Berücksichtigung von Team- und Gruppenprozessen. Vorgestellt werden Projektmanagementkonzepte und entsprechende Methoden. Im Vordergrund steht deren Anwendbarkeit bei Organisationsentwicklungsprozessen. Vermittelt werden systemische Grundhaltungen zur zielgerichteten Gestaltung von Gesprächen in unterschiedlichen Kontexten (MitarbeiterInnengespräche, Teamgespräche, Konfliktgespräche).

Ein Schwerpunkt ist die praxisnahe Vermittlung sozialwirtschaftlichen Wissens und Könnens. Es werden ausgewählte ökonomische und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und Fragestellungen vermittelt und auf wichtige Handlungsfelder der Sozialwirtschaft und des Sozialbetriebsmanagement vertiefend angewendet. Schwerpunkte sind die Vermittlung ökonomischer und betriebswirtschaftlicher Grundlagen, Management in der Sozialwirtschaft, insbesondere Sozialmarketingmanagement, Organisationsmanagement, Personalmanagement, Investitionsmanagement, Finanzierungsmanagement, betriebliches Rechnungswesen, Controlling, Rechtsformen und Besteuerung von Sozialbetrieben.

  • Die Studierenden wissen um die Grundannahmen und methodischen Manuals verschiedener Leitungskonzepte. Sie können diese im Arbeitsalltag bezogen auf Teams und einzelne MitarbeiterInnen umsetzen.
  • Sie wenden Methoden des Projektmanagements, der Personal- und Teamentwicklung unter der Berücksichtigung ihrer Funktion und Rolle an.
  • Sie können diese anderen MitarbeiterInnen vorstellen und weitervermitteln.
  • Die Studierenden kennen relevante strategische und operative Entscheidungsfelder des Marketing.
  • Sie können Betriebe organisieren.
  • Sie kennen die wichtigsten Handlungsfelder des Personalmanagements.
  • Die Studierenden können Finanzpläne erstellen und kennen wichtige Finanzierungsinstrumente. Sie können Investitionen planen. Sie kennen die Anforderungen an das betriebliche Rechnungswesen.
  • Sie kennen steuer- und gesellschaftsrechtliche Besonderheiten von Sozialbetrieben und können Controllinginstrumente einsetzen.

Seitenanfang

4. Qualitätsmanagement und Forschung: Praxisforschung, im beruflichen Alltag, Qualitätsmanagement für Soziale Arbeit

Qualitätsmanagement für Soziale Arbeit spielt eine immer größere Rolle. Im Zentrum steht die Fragestellung, wie sich die Qualität der geleisteten Arbeit nachweisen und verbessern lässt. Methoden der qualitativen und quantitativen Sozialforschung werden mit Blick auf ihre Anwendung im Qualitätsmanagement gelehrt und in Projekten umgesetzt.

Praxisforschung, Aktionsforschung, Methoden der qualitativen und quantitativen Sozialforschung werden im Rahmen von kleineren Projekten und im Rahmen des Praxistrainings in jeweils der eigenen Einrichtung experimentell durchgeführt.

  • Die Studierenden verfügen über theoretische und praktische Kenntnisse von Forschungs­methoden.
  • Sie können diese im Rahmen ihrer Praxis projektbezogen durchführen und Interviewergebnisse auswerten und bewerten.
  • Sie können qualitative und quantitative Forschungsmethoden und Praxisforschungsmethoden zielgerichtet in der eigenen Arbeitspraxis anwenden.
  • Die Studierenden verfügen über theoretische und praktische Kenntnisse in zielorientierten Befragungs- und (Selbst-)Evaluationsmethoden.
  • Sie können selbstständig Evaluationsprojekte durchführen.

5. Weitervermittlung und Publikation: Formen des Lernens und Lehrens, Vermittlung von Fachwissen an KollegInnen, Veröffentlichungen

Kenntnisse und Erfahrungen in der Weitervermittlung (Teamteaching) und Publikation stehen im Vordergrund. Eine Publikation in einer – sozialarbeiterischen oder systemischen – Fachzeitschrift wird erstellt, dies kann ein Artikel, Tagungsbericht, umfangreichere Rezension sein. Hierbei werden die Anforderungen an Veröffentlichungen erarbeitet. Alternativ kann ein Vortrag vor einem Fachpublikum gehalten werden. Es werden die Grundlagen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit vermittelt.

  • Die Studierenden erwerben Kenntnisse und reflektierte Erfahrungen in der Weitervermittlung von systemischen Denkmodellen, Handlungskonzepten und ihrer methodischen Umsetzung.
  • Sie können ihr fachliches Know-how und ihre Erfahrungen aus dem beruflichen Alltag durch Veröffentlichungen weitergeben.
  • Sie setzen ihre grundlegenden Kenntnisse und Techniken der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in ihrem Arbeitskontext ein.

6. Studium Generale und Internationale Ausrichtung: Interdisziplinäre Vorträge und Workshops, Kurs Fachsprache Englisch, fachbezogene Auslandsstudienreise

Neben den fachbezogenen Seminaren sollen die Studierenden interessante Zugänge zu anderen Themengebieten durch Einzelvorträge und Kurzzeitworkshops erhalten, an einem Englisch-Sprachkurs entsprechend ihrem Niveau teilnehmen sowie durch eine Auslandsstudienreise mit fachlicher Grundlage ihre Perspektiven erweitern.

  • Die Studierenden erwerben durch das Studium Generale Einblicke in nicht unmittelbar fachliche Themen, sie entwickeln die Kompetenz, metaphorisch zu denken und sich Themen multiperspektivisch zu erschließen.
  • Sie erweitern ihr Bildungswissen und können bei unterschiedlichen Themen ihren spezifisch systemischen Blick anwenden.
  • Sie verbessern ihre verbale Artikulation in einer Fremdsprache und erhalten einen exemplarischen Einblick in ein anderes Land, dessen politische und soziale Situation und deren Konzepte Sozialer Arbeit.