In den letzten Jahrzehnten hat sich die systemische Familientherapie in Deutschland erheblich ausgeweitet: immer mehr TeilnehmerInnen belegten immer mehr Weiterbildungen. Da diese Richtung der Psychotherapie einerseits jung und offen ist (noch nicht kanonisiert, aber auch noch nicht als Psychotherapieverfahren anerkannt), andererseits aber sehr viele nützliche theoretische und praktische Ansätze beinhaltet, haben an diesen therapeutischen Weiterbildungslehrgängen auch SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen teilgenommen – häufig in der Hoffnung, vom sozialarbeiterischen in den therapeutischen Bereich wechseln zu können, oft aber auch mit dem Wissen, dass man für die eigene aktuelle professionelle Praxis entscheidende – und nützliche – Impulse bekommen kann.

Obwohl es eine große Nachfrage nach systemischen Konzepten in der Sozialarbeit gibt, sind bislang nur wenige Weiterbildungslehrgänge speziell für die Sozialarbeit entwickelt worden. Es gibt erste Ansätze zu einer theoretischen und praktischen Formulierung Systemischer Sozialarbeit (u. a. Lüssi 1993, Milowiz 1998/2009, Kleve 1999, Ritscher 2002, Simmen et al. 2003), in Österreich wird ein Studium Systemische Sozialarbeit von Prof. Milowiz angeboten.

Weiterbildungslehrgänge, die direkt auf die Sozialarbeit zugeschnitten sind, sollten den – im Gegensatz zu therapeutischen Aufgabenfeldern – vielschichtigeren und multiperspektivischen Kontexten der Sozialarbeit gerecht werden. Denn Soziale Arbeit ist mehr als nur Beratung und Therapie, so dass auch die systemischen Konzepte und Methoden noch vielseitiger angewendet werden. Zudem beflügelt Systemische Sozialarbeit die professionelle Identität und das Selbst-Bewusstsein als SozialarbeiterInnen und SystemikerInnen.

Der Masterstudiengang Systemische Sozialarbeit wurde an der Hochschule Merseburg entwickelt und startete erstmals im Juli 2009. Der nächste Durchgang für das Studium Systemische Sozialarbeit wird frühestens im Wintersemester 2011 beginnen..